Die Dörfer Südwestthüringens haben eine Zukunft ...

Nachricht, veröffentlicht von Doreen Handke am 26.07.2012

... dies zeigte das Interesse an der Regionalkonferenz zu diesem Thema mit vielen guten Ideen und praktischen Beispielen. Die Tagung "Die Zukunft unserer Dörfer in Südwestthüringen“ am 10. Juli in Gleichamberg zog mehr als 140 Teilnehmer an.

Schon die Teilnehmerzahl zeigte: die Zukunft der Dörfer in Südwestthüringen lässt keinen kalt. Und das Kommen hatte sich wirklich gelohnt – die Vorträge und Diskussionen der Tagung „Die Zukunft unserer Dörfer in Südwestthüringen“ gaben viele positive Anregungen und Beispiele wie die Menschen auf dem Land nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich selbst um ein lebenswertes Umfeld auch in der Zukunft kümmern. Dass dabei Politik und Verwaltungen nicht abseits stehen können, sondern mit Engagement, guten Ideen und gemeinsam mit ihren Bürgern die Herausforderungen meistern müssen, war im Landgasthaus Ottmar Winkler (ehem. Kulturhaus) in Gleichamberg schnell geklärt. Aber wie lassen sich Nahversorgung z.B. durch den Aufbau von Dorfläden, ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben im Dorf - auch im Alter - oder eine dezentrale Energieversorgung, die Wertschöpfung im Ort und in der Region ermöglicht, bewerkstelligen? Darauf gab es auf der Tagung, die von den drei Regionalen LEADER-Aktionsgruppen Hildburghausen-Sonneberg, Henneberger Land und Wartburgregion zusammen mit dem Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung (ALF) in Meiningen unter Schirmherrschaft der Akademie Ländlicher Raum Thüringen organisiert wurde, eine Vielzahl von erhellenden und motivierenden Antworten.

Wie Dorfläden durchaus auch in der sogenannten dünn besiedelten Fläche, in Orten und Regionen mit wenigen Einwohnern, betriebswirtschaftlich und sozial funktionieren und welchen Mehrwert sie über die Versorgung mit den sogenannten Produkten des täglichen Bedarfs hinaus schaffen, zeigte Herr Prof. Volker Hahn eindrucksvoll in seinem äußerst lebendigen Vortrag. Diesen hielt er nicht als Wissenschaftler sondern als Praktiker, der dort, wo er lebt, in Heilgersdorf (Ortsteil von Seßlach in Oberfranken), selbst einen Dorfladen mit aufgebaut hat und als ehrenamtlicher Geschäftsführer leitet. Nach diesem in jeder Hinsicht überzeugenden Vortrag entstand im Saal der spontane Ausruf „Warum haben wir nicht schon längst mehr Dorfläden in Thüringen aufgebaut?“. Jetzt sollten wir zumindest wissen, dass und wie es geht.
Ulrike Jurrack von den Stadt- und Wohnstrategen stellte eine beeindruckende Vielzahl von guten Beispielen vor, wie in kleinen Städten und Gemeinden des ländlichen Raumes nachbarschaftliche und gemeinschaftliche Wohnformen geschaffen wurden, wie Nachbarschafts- und professionelle Hilfe bei der Betreuung hilfsbedürftiger Menschen zusammen wirken können.

Der Bürgermeister von Barchfeld, Ralph Groß, sprach über die vor kurzem gebildete Energiegenossenschaft Barchfeld-Immelborn. An einer solchen Energiegenossenschaft können sich Bürger beteiligen und mit ihrem eingebrachten Kapital in erneuerbare Energien investieren. Die erzeugte Energie steht öffentlichen und privaten Einrichtungen des Ortes oder der Region zur Verfügung. An den erwirtschafteten Erträgen partizipieren die Bürger.

Frau Prof. Dr. Marion Eich-Born, Geschäftsführerin der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen, sieht in dieser IBA eine besondere Chance für den ländlichen Raum. Sie ist keine Ausstellung im herkömmlichen Sinne, sondern ein zehnjähriger Kommunikations- und praktischer Entwicklungsprozess, der bis 2023 andauert. Durch die IBA sollen kreative und innovative Potenziale mobilisiert werden, um neue praktische Lösungen für ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften auf dem Land zu finden und umsetzen zu können. Dafür wäre es aber unbedingt notwendig, möglichst viele Akteure, Institutionen und engagierte BürgerInnen zusammenzuführen. Eine Aufgabe, die die Regionalen LEADER-Aktionsgruppen, die es in Thüringen flächendeckend gibt, zu einem unverzichtbaren Partner für die IBA machen.

Einig waren sich alle Beiträge darin, egal, was wo wie gemacht wird oder werden soll, es geht nichts ohne die Menschen vor Ort.

Während der abschließenden Diskussionsrunde wurden noch einmal wesentliche Punkte des Tages zusammengefasst. Eindrücklich wies Frau Bettina Bräsicke von der Sozialplanung des Wartburgkreises darauf hin, dass Planer und Entscheidungsträger - so wie auf der Regionalkonferenz - in ihrer alltäglichen Arbeit offen für den Bedarf und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort sowie für neue kluge Ideen wie praktische Ansätze sein müssen. Herr Kai Michaelis vom Hildburghäuser Bildungszentrum regte an, die nächste Regionalkonferenz zum Thema „Die Zukunft von Jugendlichen in Südwestthüringen“ durchzuführen. Lebens- und Arbeitsperspektiven für Jugendliche sind die eigentlichen Garanten für eine positive Zukunft. Und Herr Prof. Dr. Karl-Friedrich Thöne vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (TMLFUN) versprach den Anwesenden schließlich, weiterhin intensiv nach Lösungen zu suchen, damit der Wettbewerb „Dörfer in Aktion“, der durch die drei Südthüringer Regionalen LEADER-Aktionsgruppen in den Jahren 2010/11 beispielhaft durchgeführt wurde, zukünftig auf ganz Thüringen ausgeweitet werden kann.

Die zur Veranstaltung gezeigten Präsnetationen können auf der Homepage der RAG Hildburghausen-Sonneberg heruntergeladen werden.

Quelle: Pressemitteilung RAG Leader Wartburgregion e.V.
Mirko Klich
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