Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume

LEADER in Thüringen

Die in der aktuellen EU-Strukturfondsförderperiode 2007 bis 2013 knapper werdenden Finanzmittel und die neuen Rahmenbedingungen zwingen zu einer strategischen Neuausrichtung der Integrierten Ländlichen Entwicklung in Thüringen. Deren Verzahnung mit der LEADER-Methode zu einem innovativen Entwicklungsansatz nach dem Prinzip „EIGENINITIATIVE – KOOPERATION – INNOVATION“ kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

LEADER 2007 bis 2013 – Aktueller Stand

War LEADER+ in der ausgelaufenen Förderperiode bis 2006 noch ein eigenständiges Programm mit projektbezogenem Spielraum, so ist der seit 2007 bestehende methodische Ansatz von LEADER für die ländlichen Regionen eine neue Herausforderung und Chance zugleich. Im Rahmen der investiven Projektförderung können die Regionen zunächst auf alle geeigneten Mainstream-Fördermaßnahmen der übrigen drei Entwicklungsschwerpunkte des Landwirtschaftsfonds ELER zuzugreifen.

Der Freistaat Thüringen hat für die laufende Förderperiode bis 2013 finanzielle Mittel für 15 Regionen bereitgestellt. Damit wird der ländlich geprägte Raum Thüringens flächendeckend von LEADER profitieren, und Verantwortungs- sowie Entscheidungskompetenzen werden auf die regionale Ebene verlagert. Die flächendeckende Anwendung der LEADER-Methode bei der ländlichen Entwicklung ist dabei ein Stück gewollte Subsidiarität.

Nach den verordnungsrechtlichen Bestimmungen besteht die Verpflichtung, mindestens 5 Prozent der öffentlichen Ausgaben des Landwirtschaftsfonds für die Realisierung von Förderprojekten nach der LEADER-Methode einzusetzen. Für Thüringen entspricht dies einem Finanzvolumen von mindestens 43,75 Mio. Euro.

Als zentrale Entscheidungsgremien und Träger der nachfolgend beschriebenen Entwicklungsstrategien haben sich zu Beginn der Förderperiode in den 15 LEADER-Regionen des Freistaats Thüringen so genannte Regionale Aktionsgruppen (RAG) gebildet, in denen Akteure aus Vereinen und Verbänden, Unternehmen und Landwirtschaft, Politik und Bürgerschaft zusammenarbeiten. Dabei werden die ehrenamtlich tätigen Akteure von einem professionellen LEADER-Management unterstützt, dessen Tätigkeit mit Mitteln des Landwirtschaftsfonds bezuschusst wird.

Grundlage und Richtschnur für die ländliche Entwicklung der Regionen bilden Regionale Entwicklungsstrategien, die die Vertreter der Regionen gemeinsam erarbeitet haben. Entsprechend der regionalen Besonderheiten benennen diese Strategien die Handlungsschwerpunkte sowie innovative Ansätze und Leitprojekte für eine zukunftsorientierte Entwicklung der jeweiligen Region, mit deren Umsetzung mittlerweile bereits begonnen worden ist. Aber nicht nur innerhalb ihrer Regionen, sondern auch mit anderen Regionen – national und international – haben die Aktionsgruppen bereits gemeinsame Projekte der ländlichen Entwicklung aufgenommen und folgen damit dem Kooperationsgedanken des LEADER-Ansatzes.

Die Entwicklungsstrategien dienten zudem als Bewerbungsunterlage für die Anerkennung als LEADER-Region, zu deren Auswahl der Freistaat Thüringen in 2007 ein zweistufiges Wettbewerbsverfahren ausgelobt hatte. Nach einem entsprechenden öffentlichen Aufruf reichten die Aktionsgruppen in einer ersten Phase eine Kurzfassung der Entwicklungsstrategie ein, in der die grundsätzliche Ausrichtung dargestellt wurde. Nach Prüfung der Konformität der eingereichten Unterlagen mit den EU-rechtlichen Bestimmungen diente die zweite Phase einer Konkretisierung der Ansätze aus der Kurzfassung sowie einer Abrundung der Gesamtstrategie. Die Bewertung der Strategien erfolgte durch einen unabhängigen LEADER-Beirat, der dabei von einer externen Beratungsstelle unterstützt wurde. Mit der Anerkennung der 15 Regionalen Aktionsgruppen in Form einer entsprechenden Urkunde konnte das Wettbewerbsverfahren im Herbst 2008 Zug um Zug beendet werden. Aufgrund einer straffen Durchführung des Auswahlverfahrens konnten bereits in 2008 zahlreiche Projekte nach der LEADER-Methode in Thüringen bewilligt und realisiert werden.